Von Josef Thesing Mittwoch, 17.12.2025
Albersloh
Der Verein Rote Schule Albersloh hat das Vorhaben, die frühere Schule in der Dorfmitte zu einem Dorfgemeinschaftshaus zu entwickeln, aufgegeben. Er konnte den Kaufpreis nicht aufbringen. Nun wird ein anderes markantes Gebäude in den Blick genommen.
Das Luftbild zeigt die Lage der Roten Schule an der markanten Kreuzung. Foto: priva
Der Verein Rote Schule Albersloh hat die Bemühungen, das gleichnamige Gebäude zu erwerben und in ein Dorfgemeinschaftshaus umzugestalten, eingestellt. Das berichten die Vereinsvorsitzende Christiane Seitz-Dahlkamp und Elmar Müller vom Vorstand im Gespräch mit der Redaktion. „Wir haben den Kaufpreis in Höhe von 250.000 Euro nicht mal annähernd zusammengebracht“, erklärt der Albersloher. Darüber sei auch in der Mitgliederversammlung informiert worden.
Die Folge: Das „Stillhalteabkommen“ mit dem Eigentümer von Grundstück und Gebäude, ein Bauunternehmen aus Wolbeck, ist obsolet geworden. Er kann die ehemalige Schule nun abreißen und ein neues Gebäude errichten. Die Pläne hierfür sind seit langem bekannt. Die Stadt hatte den Grund mit der da nicht mehr genutzten und sehr sanierungsbedürftigen Immobilie vor vielen Jahren an ihn verkauft.
Bemühungen gescheitert
Der bisher bekannte Neubau anstelle der Roten Schule sei eine „städtebaulich sehr schlechte Lösung“, ist Christiane Seitz-Dahlkamp überzeugt. Doch die Bemühungen um den Erhalt, um daraus ein Dorfgemeinschaftshaus zu entwickeln, seien nun für den Verein definitiv gescheitert. Das sei nach zwei Jahren Engagement deutlich geworden.
Mit einer größeren Spende und Zusagen für kleinere sei der Kauf nicht realisierbar gewesen. Auch habe es – trotz der mehr als 900 Unterschriften für den Erhalt – am parteiübergreifenden politischen Rückhalt für den Verein gefehlt. Zudem sei das Projekt zuweilen auch schlechtgeredet worden. Dass das alte Gebäude, das das Ortsbild von Albersloh mitpräge, nun abgerissen werden könne, sei „sehr schade“, meint Elmar Müller.
Christiane Seitz-Dahlkamp und Elmar Müller vom Verein Rote Schule Albersloh schildern im Gespräch mit der Redaktion den Stand der Dinge. Foto: Josef Thesing
Er ist davon überzeugt, dass es vielen fehlen werde, wenn dort ein Neubau entstanden sei, dessen Erdgeschoss nach bisherigen Planungen vor allem von Abstellflächen für Autos, Fahrräder und Müllgefäße geprägt sei. Bei der Planung seinerzeit, blickt Christiane Seitz-Dahlkamp zurück, sei noch kein Gestaltungsbeirat beteiligt gewesen.
Der Bedarf für ein Dorfgemeinschaftshaus habe sich aus Sicht des Vereins Rote Schule sowie anderer Vereine und Organisationen im Dorf nicht geändert, verweist Christiane Seitz-Dahlkamp auf die Abfrage möglicher Nutzer, zu denen unter anderem die Volkshochschule und die Musikschule als regelmäßige Anbieter gehörten. Auch das Sozial-Zentrum, der Heimatverein und andere bräuchten zukunftsträchtige Räumlichkeiten. Zudem fehle ein „Bürgersaal“ für Veranstaltungen aller Art.
Diese Visualisierung des Neubaus auf dem Grundstück der Roten Schule liegt seit einigen Jahren vor. Foto: privat
Der Verein arbeitet deshalb weiter, allerdings mit Blick auf einen anderen sogenannten „Dritten Ort“, der bereits im Sommer 2025 als Raum für Kultur, Bildung und Begegnung im ländlichen Raum, so die Definition, vorgestellt worden war: die evangelische Gnadenkirche. Wie berichtet, hatte die evangelische Gemeinde Wolbeck-Albersloh im Sommer bekanntgegeben, dass die kleine weiße Kirche, die es seit 70 Jahren gibt, im Jahr 2026 entwidmet und verkauft werden soll.
So kennen die Albersloher das Gebäude der Roten Schule seit vielen Jahren. Foto: Christiane Husmann
Bezogen auf dieses Projekt gebe es auf verschiedenen Ebenen vielversprechende Gespräche: mit der evangelischen Gemeinde, mit der Stadt, mit den Fördergebern und mit der Bezirksregierung. Der Verein müsse die Satzung ändern und den Förderantrag umschreiben. Hierfür gebe es ebenfalls „gute Signale“.
Energetische Sanierung und Anbau
Neben dem Kaufpreis müsse das Gebäude vor allem energetisch saniert werden. Zudem sei ein Anbau geplant. Die Planung werde derzeit von einem Architekten erstellt und, wie bei der Roten Schule, professionell vom Büro „pro loco“ begleitet. Ob es am Ende klappt, müsse sich nach der Antragsstellung zeigen.
Für Sanierung und Anbau rechnet der Verein, der mit Blick aufs neue Ziel womöglich auch seinen Namen ändern will, mit Kosten in Höhe von 400.000 Euro. Das sei wesentlich weniger als das, was Umbau und Sanierung der Roten Schule gekostet hätten. „Eine ganz andere Nummer“, meint Elmar Müller. Allerdings würden auch dafür Spenden benötigt – und eine breite Unterstützung.
Die Gnadenkirche, die entwidmet wird, könnte zum Dorfgemeinschaftshaus werden. Foto: Christiane Husmann
Die Lage dieses möglichen „Dritten Ortes“ sei auch für Familien mit Kindern gut, zumal es einen Garten und einen Spielplatz in ruhiger Lage gebe. Die evangelische Gemeinde wünsche eine zeitnahe Entscheidung – und wolle einen Abriss zugunsten einer privaten Bebauung gerne vermeiden, berichtet Christiane Seitz Dahlkamp von Gesprächen. Zudem wolle die Gemeinde das Dorfgemeinschaftshaus, wenn es denn realisiert werden könne, ein Mal im Monat gerne für einen Gottesdienst nutzen. Sie sehe, wie auch der Verein, die kleine Kirche als „Teil der Geschichte des Dorfes“.
Musikalische Andacht und Kino
Um zu zeigen, was in dem Gebäude möglich ist, bieten die Gemeinde mit ehrenamtlicher Unterstützung des Vereins Rote Schule kurzfristig zwei Veranstaltungen an. An Heiligabend findet nach dem Familiengottesdienst mit Krippenspiel, der um 15 Uhr beginnt, ab 16.15 Uhr eine musikalische Andacht statt. Am 28. Dezember (Sonntag) ist Kino angesagt. Um 16 Uhr wird für Kinder „Winnetous Sohn“ gezeigt. Um 19 Uhr läuft für Jugendliche und Erwachsene „Life of Pi“.